Wenn die Tür zu geht...

Es beschäftigt mich. Sehr sogar. Manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu sehr. Und ich finde wir haben ein Problem. Das Problem, wenn die Tür zu geht und ich die Wohnung verlasse. Manchmal mache ich die Tür hinter mir zu und warte noch eins-zwei Minuten, ob ich von drinnen etwas hören kann, ob Ella jault oder bellt. Doch in der Regel bleibt es ruhig. Wenn ich dann aber wiederkomme, sehe ich den Kindergarten, den Ella im Wohnzimmer veranstaltet hat. Das mit Abstand schlimmste, was dabei bisher in Mitleidenschaft gezogen wurde ist meine Couch. Zuerst hat sie die Fäden aus dem Webstoff gezogen, als diese Arbeit irgendwann zu eintönig wurde, entschied sie sich doch lieber gleich ganz rein zu beißen. Eine Stelle konnte bisher erfolgreich geflickt werden. Eine andere und viel größere Stelle, ist mittlerweile gar nicht mehr so einfach zu reparieren. Auffällig ist, dass die Couch ihr Steckenpferd ist. Dabei spielt es keine Rolle, dass ich auf dem Couchtisch eine Kerze oder die Fernbedienung liegen haben. Ihre Mission ist und bleibt die COUCH.

 

 

Die ersten Male konnte ich meinen Augen kaum trauen. Ich war wütend und traurig. Denn eine Couch lässt sich auch nicht eben mit einem 10 €-Schein ersetzen. Tränen rollten über die Wangen. Was habe ich mit diesem Hund nur falsch gemacht? Warum tut er sowas?

 

Ich muss gestehen, des Rätsels Lösung habe ich noch nicht gefunden. Fakt ist, sind wir zusammen ist Ella der totale Liebling. Sie geht in ihr Körbchen, wenn ich es ihr sage und ist auch allgemein drin sehr ruhig im Vergleich zu draußen. Es musste langweile sein, denn Futter und auch ausgiebige Spaziergänge gibt es, bevor ich das Haus verlasse. Eine Kauwurzel liegt neben ihrem Bett und ab und an bekommt sie auch ein Futterspielzeug oder eine andere Kleinigkeit, wenn ich gehe.

 

 

Ich stellte also eine Kamera auf, um genau zu beobachten, wie es zu dieser Zerstörung kommt. Das Ergebnis hatte ich postwendend: Ich mache die Tür hinter mir zu und Ella spielt 10 Minuten wilde Sau zuhause. Da wird erst einmal am Essenstisch hochgesprungen. Mal sehen, ob Frauchen was Essbares für mich hier stehen gelassen hat. Von da aus dann auf die Couch. Mittlerweile liegen Decken auf den Sitzflächen, um die unschönen Stellen zu kaschieren. Aber Ella findet diese Stelle an der sie arbeitet immer und immer wieder. Die Enden der Decken sind gut versteckt und festgespannt, was für Ella jedoch kein Hindernis darstellt, sie ausfindig zu machen und den Teil der Couch den sie am liebsten bearbeitet freizudecken. Falls das zu anstrengend ist, beißt sie hingebungsvoll in die Decke und von dort aus wird dann weiter an dem bereits vorhandenen Loch gearbeitet. Heute erst ging ich kurz den Müll rausbringen. Schloss alle Türen hinter mir und Ruckzuck war die Hundeleberwurst, die ich gestern erst gekauft hatte vom Essenstisch geklaut und wurde hingebungsvoll bearbeite. Ich war keine drei Minuten draußen...

Zurzeit gibt es für mich nur eine Lösung, Ella während meiner Abwesenheit von der Couch fernhalten. Morgens lege ich dann also immer zwei Stühle auf die Couch. Mittlerweile habe ich mein Wohnzimmer aber mit einem Welpengitter abgesperrt, sodass sie nicht auf die Couch kommt.

 

 

Und was sah ich dann heute, als ich die Wohnung verlassen hatte und zum Sport gehen wollte? Das Spielzeug mit dem sie sich beschäftigen sollte, war nur für zwei Minuten interessant. Dann stand sie vor dem Welpenzaun. Erst heulte Ella leise, dann wurde es lauter. Sie setzte sich in ihr Körbchen und fing an zu bellen. Es kann gut möglich sein, dass sie im Flur etwas gehört hat. Zwanzig Minuten hat es gedauert, bis sie zur Ruhe kam und sich hingelegt hat um zu schlafen.

 

Ich habe schon verschiedene Tipps gelesen. Einer meiner Fehler war sicherlich, dass ich, wenn ich zuhause bin ständig die Türen offenlasse und sie mir überall hin hinterherlaufen kann. Ein anderer Fehler war, dass sie keine Eingewöhnung zum Alleinbleiben hatte.

Also schließe ich nun die Türen, wenn ich zuhause bin. Egal, ob ich nur auf der Couch liege oder ins Bad gehe. Alle Türen werden zu gemacht. Dabei schicke ich Ella in ihr Körbchen. Üben tun wir, indem ich kleine Gänge nach draußen oder in den Keller mache. Dabei aber Jacke und Schuhe anziehe, als würde ich für längere Zeit wegbleiben.

 

 

Trennungsangst - Kontrollverlust

Nun wird bei Problemen des Alleinseins zwischen der Trennungsangst und dem Kontrollzwang unterschieden. Bei der Trennungsangst besitzt der Hund wirkliche Ängste, dass er allein gelassen wird und sein Besitzer nicht wiederkommt. Häufig ist Bellen, Jaulen, Kratzspuren an der Wand und der Tür aber auch das Urinieren bzw. Kot absetzen in der Wohnung ein Zeichen dafür. Mit dem Jaulen will der Hund auf sich aufmerksam machen und seinen Besitzer quasi zurückrufen. Der Kontrollverlust äußert sich so, dass der Hund der Meinung ist, auf den Menschen aufpassen zu müssen. Er sieht es quasi als seine Aufgabe und fühlt sich so in einer gewissen Mutter-/Vaterrolle. Geht der Mensch, wird der Hund wütend. Er wurde nicht mitgenommen und seine einzige Aufgabe auf den Menschen aufzupassen, ist ihm nicht gelungen. Diese Wut äußert sich dann an der Inneneinrichtung – zum Leidwesen der Hundebesitzer.

 

 

Da stelle ich mir die Frage, was ist es nun bei Ella? Ich vermute Kontrollzwang, aber wissen tue ich es nicht genau. Ich glaube sie fühlt sich für mich verantwortlich. Wenn ich dann wieder nachhause komme, werde ich unterschiedlich von ihr begrüßt. Manchmal kommt sie angerannt und springt mich an – ein Anzeichen der Rüge, wenn es sich um Kontrollverlust handelt. Es gibt auch Situationen, in denen sitzt sie dann in ihrem Körbchen, legt die Ohren an und wedelt mit dem Schwanz – ein Anzeichen für Trennungsangst. Auch wenn sie jault bzw. bellt. Ihrem doch sehr starken und temperamentvollen Charakter würde ich nicht zuschreiben, dass sie Trennungsangst im Sinne dessen hat, dass ich nicht wiederkommen würde. Ich kann mich natürlich auch täuschen. Also heißt es die Rudelposition klar und deutlich zu machen.

 

 

Einige Regeln existieren ja bereits bei uns. Ich gehe als erste durch die Türen. Hier zuhause hat Ella das auch begriffen, an neuen Orten müssen wir das allerdings noch üben. Weiterhin habe ich die Kuschelzeit auf der Couch auf maximal eine Stunde pro Tag begrenzt. Außerdem schicke ich Ella häufig in ihr Körbchen. Die Türen schließe ich ständig hinter mir sobald ich in einen Raum hereinkomme bzw. ihn verlasse. So merkt sie, dass eine geschlossene Tür normal ist und ich sowohl bei ihr sein als auch weg sein kann. In der Vergangenheit ist mir aufgefallen, dass ich häufig die Türen angelehnt bzw. offengelassen habe. Außerdem lege ich mir kleine Wege zum Briefkasten oder zum Müll rausbringen ein und gehe öfter auch einfach mal für fünf Minuten raus. Ziehe meine Jacke und Schuhe für die kleinsten Wege an, um Ella zu zeigen, dass ich nicht immer, wenn ich dies tue gleich mehrere Stunden weg bin.

 

Was glaubst Du hat Ella Trennungsangst oder Kontrollverlust? Hast du Tipps und Tricks? Wir sind über Ratschläge sehr dankbar!

 

Viele Grüße

 

ella und ich.❤️

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Kommentare: 4
  • #1

    Sarah (Dienstag, 31 Oktober 2017 10:52)

    Guten Morgen,

    zuerst möchte ich die sagen, dass ich es toll finde wie offen Du damit umgehst. Ich würde eher zur Trennungsangst tendieren. Ähnliche Probleme hatte ich mit unserem Zweithund Ela. Unser Sofa musste auch schon etwas dran glauben. Ich mache es so, dass sie beide einen gefüllten Kong bekommen und dazu in ihr Körbchen müssen bevor ich das Haus verlasse. Wg der Zerstörerwut (Sofa und Bücher) habe ich alles mit einem Fernhaltespray immer eingesprüht. Und bereits vorher und jetzt schauen, dass Ela mir nicht dauerhaft folgt. Und es klappt! Sie macht nichts mehr kaputt, ist stubenrein und schafft es auch wenn ich sie abweise sich einen anderen Platz zu suchen bzw sich zum Ersthund zu legen. Ela wird im November ein Jahr.

    Alles Gute weiterhin,

    liebe Grüße Sarah

  • #2

    Mica&Smartie (Dienstag, 31 Oktober 2017 19:54)

    Ich glaube ehrlich gesagt weder an das eine noch an das andere.
    Bei Trennungsangst sind Kratzer wirklich eher in Türnähe - der Hund versucht, raus zu kommen.
    Zudem beruhigt er sich nicht über die Zeit des allein Seins.
    Letzteres ist auch beim Kontrollverlust der Fall.

    Ich tippe auf einfachen Frust und die Möglichkeit, sich „auszutoben“, wenn Du nicht da bist.
    Im Moment lese ich das Büchlein „Waldi allein zu Haus“ - bald gibt’s dazu eine kleine „Buchbesprechung“ auf unserem Blog, wenn Du magst sag ich Bescheid, wenn wir fertig sind �

  • #3

    Suse (Donnerstag, 02 November 2017 08:34)

    Ich denke auch, es ist weder Trennungsangst noch Kontrollverlust.
    Meine Luzi war früher in jungen Jahren (gut sie ist jetzt erst 5) auch teils unberechenbar. Meine Couch wurde auch auseinandergepflückt. Sowie mehrere andere Dinge die Holz etc ähnelten.

    Ich hatte sie vor dem außer Haus gehen auch immer ausgelastet. Aber ich denke, ich habe sie damit eher aufgeputscht. So das sie dann mit der überschüssigen Energie nicht wusste wohin und war dann am zerstören.

    Nun haben wir seit 2 Jahren ein Ritual.
    Ich mache mich morgens zB fertig, gehe eine kurze Runde mit ihr spazieren, so dass sie sich genug auspullern und ihr Geschäft verrichten kann.

    Sie bekommt ihr Fressen danach und wenn ich gehe, bekommt sie im Wohnzimmer verteilt ein paar kleine Leckerlieknochen. Dann gibt es das Kommando "such", ich schließe die Tür und gehe, ohne mich groß vorher zu verabschieden.

    Getobt wird erst, wenn ich wieder daheim bin.

    Sie hat es sehr gut angenommen. Ich denke Ruhe am morgen tut ihr besser, da sie ein extremes Energiebündel ist, draußen meinen die Leute ich hätte noch einen sehr jungen Hund und sind dann überrascht, wenn ich sage, sie ist "schon" 5.

    Und das mit dem Leckerlie mache ich IMMER wenn ich das Haus verlasse, so konnte sie sich dran gewöhnen, ok, Frauchen kommt definitiv wieder.

    Beim Heimkommen, wird sie auch nur sanft begrüßt, nicht stürmisch, denn es ist normal, das ich das Haus verlasse und wiederkomme. :)

  • #4

    Dési (Donnerstag, 02 November 2017 09:20)

    Ich hatte da anfangs mit meinem Zweithund auch Probleme. Dann bin ich im Internet auf einen Tipp gestossen. Ich gehe, ganz normal ohne Leckerli oder sonstiges, und erst wenn ich wieder komme gibts eine Belohnung. Natürlich würde ich nur mit ein paar wenigen Minuten starten, dass sie nichts zerstört in der Zeit. Aber ich denke die Verknüpfung wird dann positiv. Frauchen geht und wenn sie wieder kommt und ich war brav gibts Leckerli. Ich hab auch eine Kamera wo ich reinsprechen und sie massregeln kann wenn ich etwas negatives sehe. Bei uns klappts mittlerweile super und ich dachte am Anfang echt wir schaffen das nie.